Widerstand im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee widmen wir uns am 27.01., dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus‘, in einem Text dem jüdischen Widerstand im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

Am 7. Oktober 1944 gegen Mittag brach der einzige dokumentierte bewaffnete Aufstand im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau aus. Inhaftierte des „Sonderkommandos“, eine Gruppe von Häftlingen, vor allem jüdische Männer, deren traurige Aufgabe es unter anderem war, die in den Gaskammern ermordeten Menschen zu verbrennen, plante bereits seit 1942 die Zerstörung der Krematorien. Dafür hatten sie Kontakt zum Lagerwiderstand und wurden auch von Zwangsarbeiter:innen unterstützt, die ihnen Schießpulver und vereinzelt Waffen zukommen ließen. Dass der Aufstand erst 1944 stattfand, lag an den Schwierigkeiten, die das „Sonderkommando“ in der Zusammenarbeit mit dem Lagerwiderstand hatte und an der ständigen Ermordung der Mitglieder des „Sonderkommandos“, die als Zeugen der Ermordung tausender Menschen selbst zu Opfern der Gaskammern wurden. Über 2.000 Männer arbeiteten zwischen 1942 und 1945 in dem „Sonderkommando“. Davon überlebten 90 Männer das Konzentrationslager. Lange hoffte man, die Rote Armee würde die Häftlinge befreien. Als aber große Teile des „Sonderkommandos“ selbst ermordet wurden, konnten die Überlebenden nicht länger hoffen.

Ziel des Aufstandes war es nicht, selbst die Freiheit zu erlangen, sondern einen möglichst großen Teil der Vernichtungsanlagen zu zerstören, um so möglichst vielen weiteren Häftlingen das Leben zu retten. Es gelang den Aufständigen des „Sonderkommandos“ dabei, mit dem eingeschmuggelten Schießpulver ein Krematorium komplett zu zerstören, ein anderes wurde zum Teil zerstört. Beide wurden nach dem Aufstand nicht wieder aufgerichtet. Der Aufstand wurde allerdings schon nach wenigen Stunden niedergeschlagen. Als Vergeltung tötete die SS noch am selben Tag 451 Inhaftierte. Trotzdem rettete der Aufstand einige Leben und gab Menschen in einer ansonsten hoffnungslosen Situation ein wenig Hoffnung.

„An der Stelle, wo Millionen unschuldiger Opfer ermordet wurden, fielen durch die rächenden Hände von Häftlingen die ersten SS-Mörder und es waren Juden, die das vollbrachten“ – Israel Gutman, jüdischer Auschwitz-Häftling und Historiker

Das war zwar der einzige bewaffnete Widerstand in diesem Konzentrationslager, aber deshalb nicht der einzige Widerstand in Auschwitz-Birkenau. Neben Fluchtversuchen fanden auch Sabotageakte z.B. in der Zwangsarbeit statt und auch der organisierte Lagerwiderstand, der häufig aus politischen Gefangenen und Zwangsarbeiter:innen bestand, rettete Leben. Auch in Treblinka schafften es Häftlinge des „Sonderkommandos“, Gaskammern und Baracken in Brand zu stecken und Gewalt über das Waffenlager zu erhalten.

Jüdischer Widerstand insgesamt hatte unterschiedlichste Formen. Außerhalb der Konzentrations- und Vernichtungslager schlossen sich Juden:Jüdinnen dem Widerstand in ganz Europa an, organisierten Aufstände in Ghettos, retteten Menschen vor den Deportationen. Gruppen jüdischer Partisan:innen entstanden da, wo sich geflohene Juden:Jüdinnen zusammenfanden, zum Beispiel in Weißrussland und der Ukraine.

Wir gedenken heute aller Opfer des Nationalsozialismus, Juden:Jüdinnen, Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangenen, Homosexuellen, politisch Verfolgten, der Gefallenen im Widerstand und aller weiterer Opfer.

Auf dass Auschwitz nicht noch einmal sei.

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