Tradwives, Ehe, Vaterland,unsere Antwort: Widerstand!

Photo von der feministischen Vorabenddemo in Dortmund am 07.03.2026. Im Vordergrund die Demospitze mit Transparenten auf denen "Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland", "An Tätern und Sexisten Räche - dem Patriarchat den Kiefer brechen" und "Jin, Jiyan, Azadi" steht, im Hintergrund der "Pylon" über der Haltestelle Reinoldikirche und die Kirchturm.Rede der FLINTA in der Autonomen Antifa 170 anlässlich der Vorabenddemo zum feminstischen Kampftag 2026:

Wir sind die FLINTA der Autonomen Antifa 170 und für uns ist klar: Antifaschismus ist feministisch!

Dass Antifaschismus und Feminismus zusammengedacht werden müssen, zeigen die gegenwärtigen Krisen besonders deutlich. Weltweit erstarken autoritäre und patriarchale Kräfte – und ihre Narrative finden längst auch auf Social Media Resonanz. Auf Instagram, TikTok und anderen Plattformen werden traditionelle Geschlechterrollen wieder offensiv propagiert. Was dort als Lifestyle präsentiert wird, wirkt aus feministischer Perspektive wie ein geschlechterpolitischer Rollback – und lässt gestandene Feminist:innen nicht selten kopfschüttelnd zurück.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist die sogenannte Tradwife-Bewegung, die aus den USA nach Deutschland geschwappt ist. Allein auf TikTok finden sich unter dem Hashtag Tradwife über 70 Millionen Videos. Doch worum geht es bei diesem Trend eigentlich? „Tradwife“ steht für traditional wife – also für die „traditionelle Ehefrau“. Frauen inszenieren sich dabei in einem Rollenbild, das stark an die 1950er Jahre erinnert: Die vermeintliche Erfüllung der Frau liege darin, sich vollständig Ehemann, Kindern und Haushalt zu widmen.

Die Rollenverteilung ist dabei klar: Der Mann geht arbeiten und verdient das Geld, die Frau übernimmt die gesamte unbezahlte Sorgearbeit. Die Vertreter:innen dieses Lebensmodells nennen das häufig „Choice Feminism“ – also eine freie Entscheidung der Frau. Doch die Realität sieht oft anders aus. Wer sich vollständig aus dem Erwerbsleben zurückzieht, begibt sich langfristig in eine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner – oft bis ins Rentenalter. Und versteht uns nicht falsch: Es geht nicht darum, Frauen oder Müttern vorzuschreiben, dass sie neben der Carearbeit zwingend erwerbstätig sein müssen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt gerade für Frauen eine enorme Belastung dar. Doch die Rückkehr zu einer starren Rollenverteilung löst dieses Problem nicht – im Gegenteil.

Denn bei den Tradwives wird nicht die Freiheit von Frauen gestärkt. Stattdessen wird die vermeintliche Natürlichkeit von Geschlechterrollen propagiert: Der Mann erscheint als Ernährer und Beschützer der Familie.
Die Frau wird auf Haushalt und Kinder reduziert. Und Menschen, die nicht in diese Zwei-Geschlechter-Ordnung passen oder passen wollen, kommen in diesem Weltbild gar nicht erst vor. Erinnert euch das nicht stark an rechte Geschlechterbilder?

Es überrascht daher kaum, dass die Tradwife-Szene häufig eine offene Flanke für extrem rechte Ideologien bildet – oder selbst entsprechende Inhalte verbreitet. Ihre Ursprünge liegen nicht zufällig in der Alt-Right-Bewegung der USA. Antifeminismus ist ein zentrales ideologisches Element der extremen Rechten. Schon die Inszenierung der Tradwives steht im klaren Gegensatz zur Idee einer gleichberechtigten Partnerschaft: Die Frau ordnet sich vollständig dem Mann unter. Gleichzeitig präsentieren sich Tradwives als unpolitisch, fürsorglich und harmonisch – als Gegenbild zur emanzipierten Frau. Zwischen Kuchenrezepten und selbstgestampfter Butter werden so traditionelle Geschlechterbilder verbreitet – und scheinbar harmlos Abwertung und Hass gegenüber queeren Lebensweisen transportiert.

Ein Beispiel dafür ist das rechte Frauennetzwerk Lukreta. Dieses organisiert jedes Jahr den sogenannten „Stolzmonat“ – ein bewusstes Gegenstück zum queeren Pride Month. Unterstützt von extrem rechten Akteur:innen verbindet diese Kampagne Antifeminismus, Queerfeindlichkeit und Rassismus. Schaut man sich die personellen und ideologischen Verbindungen genauer an, wird deutlich: Lukreta kann als antifeministisches Vorfeld der AfD verstanden werden. Die AfD verfolgt eine klar antifeministische Politik – und braucht dafür gesellschaftliche Anknüpfungspunkte. Genau diese versucht Lukreta zu liefern.

Denn Antifeminismus, der von Frauen selbst vorgetragen wird, wirkt anders. Und auf diese Strategie kann der gegenwärtige globale Rechtsruck kaum verzichten. Doch eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Feministische Errungenschaften wirken – und sie haben gewirkt. Frauen und LINTA lassen sich ihre Rechte nicht einfach wieder nehmen. Die Kämpfe unserer Vorkämpfer:innen haben Spuren hinterlassen.

Auch viele Frauen, die sich selbst nicht als feministisch verstehen, wollen heute selbstverständlich Zugang zu Kinderbetreuung, Mutterschutz oder die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs haben. Diese Rechte sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden erkämpft. Und genau deshalb müssen wir sie heute verteidigen.

Fassen wir zusammen: Die geschönten, hochauflösenden Bilder von Frauen, die sich vollständig der Sorgearbeit für ihre Familie widmen, sind ein Element extrem rechter Ideologieproduktion. Über solche Inszenierungen verbreiten antifeministische Akteur:innen ihr Weltbild.

Ihre Zielgruppe sind vor allem Mütter, die mit den komplexen Anforderungen des Alltags überfordert sind und in der romantisierten Darstellung des Hausfrauenlebens Trost und Orientierung suchen. Doch hinter diesen Schönzeichnungen verbirgt sich eine Realität, die selten gezeigt wird: Wer diesem Ideal folgt, begibt sich häufig in eine langfristige wirtschaftliche Abhängigkeit vom Partner. Das kann bedeuten, dass eine Trennung selbst dann kaum möglich ist, wenn der Mann gewalttätig wird.

Doch wie sieht es eigentlich bei den Tradwife-Influencerinnen selbst aus? Fest steht: Wer es sich leisten kann, dass in einer mehrköpfigen Familie nur eine Person arbeitet, verfügt meist über erhebliche finanzielle Ressourcen. Ein Beispiel ist die Aktivistin und Autorin Brittany Sellner, früher Pettibone. Sie ist die Ehefrau des Identitären Martin Sellner und muss sich dank eines großen Erbes keine finanziellen Sorgen machen. Materiell abgesichert kann sie als Ideologieproduzentin das Bild der „neuen“ rechten Frau weiterverbreiten.

Doch auch unabhängig vom Vermögen ihrer Partner sind viele Tradwife-Influencerinnen selbst finanziell abgesichert. Mit Videos, Werbeeinnahmen und teilweise eigenen Marken verdienen sie gut daran, dass sie im Internet ein idealisiertes Bild des Hausfrauenlebens verbreiten – und damit zahlreiche Frauen über die tatsächlichen Bedingungen dieses Lebensmodells täuschen.

Für uns bleibt klar: Küche, Ehe, Vaterland, unsere Antwort: Widerstand!
Gegen Antifeminismus, Queerfeindlichkeit und rechte Ideologie!
Für das gute Leben für alle, unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität!

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