PM: Keinesfalls ein Zufall: Rechte Hetzgesänge in der Kneipe „Vater & Sohn“

Im Folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung „Keinesfalls ein Zufall: Rechte Hetzgesänge in der Kneipe Vater & Sohn“ verschiedener Antifaschistischer Gruppen und Einzelpersonen:

Wo Neonazis ungestört feiern können: Am Montag (02.03.) berichtete der WDR über antisemitische Schmähgesänge aus der Dortmunder Gaststädte Vater & Sohn. Während der Wirt in einer Erklärung beteuert, davon nichts mitbekommen zu haben und die Gäste nicht zu kennen, belegen die Recherchen von Antifaschist_innen, dass es sich um Stammgäste der Kneipe handelt, die fest in die rechte Szene Dortmunds integriert sind.

Über sein Facebook-Profil hatte das Lokal am späten Dienstagabend eine Stellungnahme veröffentlicht, in der von einer rassistischen Entgleisung mehrerer fremder Gäste die Rede ist. Gemeint war ein Video aus dem Lokal, in dem ein Großteil der anwesenden Besucher_innen den Song Moonlight Shadow mitgröhlt – allerdings umgedichtet auf Gelsenkirchener Juden. Das verurteile man aufs Schärfste und distanziere sich im Übrigen von jedem Rechts -, Religiösen- und Linksextremismus, heißt es in der Erklärung.
 
 
 
Eine seltsame Erklärung, wenn man bedenkt, dass das Video, das zuerst von einer Privatperson aufgenommen worden war, über den offiziellen Instagram-Account der Kneipe geteilt wurde – demselben, der sich jetzt davon distanziert. Ob die Behauptung des Wirts gegenüber dem WDR, er sei nicht vor Ort gewesen, nun stimmt oder nicht, lässt sich nur schwerlich nachprüfen“, so Tobias Schmidt von der Autonomen Antifa 170, Klar ist aber, dass der antisemitische Gesang nicht nur im Lokal geduldet, sondern auch aktiv durch den Betreiber verbreitet wurde“.
 

„Klagt nicht, kämpft“ Tattoo auf dem rechten Unterarm, Quelle: Instagram

Auch die Behauptung, es handle sich um fremde Gäste, ist bei näherer Betrachtung unhaltbar. Im Video, so erläutert Schmidt, sei ein Stammgast des Lokals zu sehen, der den Nazigegnerinnen zudem durchaus bekannt sei: An seinen Tätowierungen erkennt man im Vordergrund des beim WDR gezeigten Videos Dennis Schroer, Spitzname Kulle, der sich seit Jahren in der rechten Szene bewegt“, so Schmidt. Weitere Fotos belegen, dass Schroer seit Jahren Kontakte zu Vertretern der rechten Szene pflegt und ihr selbst nahesteht. Auf seinem Unterarm trägt Schroer ein Tattoo des Wehrmachts-Spruchs „Klagt nicht, kämpft“. Dass Schroer regelmäßig im Vater & Sohn verkehrt und mit dem Wirt zumindest bekannt ist, belegenweitere von der Kneipe selbst veröffentlichte Videos, auf denen er zum Beispiel im Rahmen einer anderen Veranstaltung im Lokal Würstchen grillt  

 

Schroer und Piechotta, beide Stammgäste im „Vater und Sohn“, Quelle: Instagram

Schroer ist jedoch nicht der einzige einschlägig bekannte Stammgast. Bei einer Durchsicht des vom Vater & Sohn auf Instagram und anderen Plattformen veröffentlichten Materials fällt auf, dass auch ein weiterer Neonazi, Dennis Piechotta, regelmäßig dort verkehrt. Piechotta ist Mitglied der Neonazi-Partei Die Rechte, die als Nachfolgeorganisation des verbotenen Nationalen Widerstands Dortmund überregional für antisemitische und rassistische Hetze steht, erläutert Schmidt. Bei solchen Stammgästen verwundern antisemitische Schmähgesänge kaum. Es steht zu befürchten, dass hier nur die Spitze eines Eisbergs zum Vorschein gekommen ist.

Schroer mit Franz Pauße, Kämpfer beim „Kampf der Nibelungen“, Quelle: Instagram

„Vater & Sohn“ will eine ganz normale Kneipe sein, und versucht, mit seinem Partyprogramm junge Leute und Studierende anzuziehen. Neonazis versuchen seit Jahren mehr oder minder erfolgreich, sich Räume zum Leben, Arbeiten, Wohnen anzueignen. Sie setzen auf Normalisierung. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und rassistische Hetze können und dürfen aber nirgendwo „normal“ sein. Tobias Schmidt: „Wir überlassen Neonazis diese Räume nicht ohne Weiteres. Nicht, um politisch zu agitieren und auch nicht, um zu feiern.“ 

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