PM: Keinesfalls ein Zufall: Rechte Hetzgesänge in der Kneipe „Vater & Sohn“

Im Folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung „Keinesfalls ein Zufall: Rechte Hetzgesänge in der Kneipe Vater & Sohn“ verschiedener Antifaschistischer Gruppen und Einzelpersonen:

Wo Neonazis ungestört feiern können: Am Montag (02.03.) berichtete der WDR über antisemitische Schmähgesänge aus der Dortmunder Gaststädte Vater & Sohn. Während der Wirt in einer Erklärung beteuert, davon nichts mitbekommen zu haben und die Gäste nicht zu kennen, belegen die Recherchen von Antifaschist_innen, dass es sich um Stammgäste der Kneipe handelt, die fest in die rechte Szene Dortmunds integriert sind.

Über sein Facebook-Profil hatte das Lokal am späten Dienstagabend eine Stellungnahme veröffentlicht, in der von einer rassistischen Entgleisung mehrerer fremder Gäste die Rede ist. Gemeint war ein Video aus dem Lokal, in dem ein Großteil der anwesenden Besucher_innen den Song Moonlight Shadow mitgröhlt – allerdings umgedichtet auf Gelsenkirchener Juden. Das verurteile man aufs Schärfste und distanziere sich im Übrigen von jedem Rechts -, Religiösen- und Linksextremismus, heißt es in der Erklärung.
 
 
 
Eine seltsame Erklärung, wenn man bedenkt, dass das Video, das zuerst von einer Privatperson aufgenommen worden war, über den offiziellen Instagram-Account der Kneipe geteilt wurde – demselben, der sich jetzt davon distanziert. Ob die Behauptung des Wirts gegenüber dem WDR, er sei nicht vor Ort gewesen, nun stimmt oder nicht, lässt sich nur schwerlich nachprüfen“, so Tobias Schmidt von der Autonomen Antifa 170, Klar ist aber, dass der antisemitische Gesang nicht nur im Lokal geduldet, sondern auch aktiv durch den Betreiber verbreitet wurde“.
 

„Klagt nicht, kämpft“ Tattoo auf dem rechten Unterarm, Quelle: Instagram

Auch die Behauptung, es handle sich um fremde Gäste, ist bei näherer Betrachtung unhaltbar. Im Video, so erläutert Schmidt, sei ein Stammgast des Lokals zu sehen, der den Nazigegnerinnen zudem durchaus bekannt sei: An seinen Tätowierungen erkennt man im Vordergrund des beim WDR gezeigten Videos Dennis Schroer, Spitzname Kulle, der sich seit Jahren in der rechten Szene bewegt“, so Schmidt. Weitere Fotos belegen, dass Schroer seit Jahren Kontakte zu Vertretern der rechten Szene pflegt und ihr selbst nahesteht. Auf seinem Unterarm trägt Schroer ein Tattoo des Wehrmachts-Spruchs „Klagt nicht, kämpft“. Dass Schroer regelmäßig im Vater & Sohn verkehrt und mit dem Wirt zumindest bekannt ist, belegenweitere von der Kneipe selbst veröffentlichte Videos, auf denen er zum Beispiel im Rahmen einer anderen Veranstaltung im Lokal Würstchen grillt  

 

Schroer und Piechotta, beide Stammgäste im „Vater und Sohn“, Quelle: Instagram

Schroer ist jedoch nicht der einzige einschlägig bekannte Stammgast. Bei einer Durchsicht des vom Vater & Sohn auf Instagram und anderen Plattformen veröffentlichten Materials fällt auf, dass auch ein weiterer Neonazi, Dennis Piechotta, regelmäßig dort verkehrt. Piechotta ist Mitglied der Neonazi-Partei Die Rechte, die als Nachfolgeorganisation des verbotenen Nationalen Widerstands Dortmund überregional für antisemitische und rassistische Hetze steht, erläutert Schmidt. Bei solchen Stammgästen verwundern antisemitische Schmähgesänge kaum. Es steht zu befürchten, dass hier nur die Spitze eines Eisbergs zum Vorschein gekommen ist.

Schroer mit Franz Pauße, Kämpfer beim „Kampf der Nibelungen“, Quelle: Instagram

„Vater & Sohn“ will eine ganz normale Kneipe sein, und versucht, mit seinem Partyprogramm junge Leute und Studierende anzuziehen. Neonazis versuchen seit Jahren mehr oder minder erfolgreich, sich Räume zum Leben, Arbeiten, Wohnen anzueignen. Sie setzen auf Normalisierung. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und rassistische Hetze können und dürfen aber nirgendwo „normal“ sein. Tobias Schmidt: „Wir überlassen Neonazis diese Räume nicht ohne Weiteres. Nicht, um politisch zu agitieren und auch nicht, um zu feiern.“ 

Veröffentlicht unter General, Neonazis in Dortmund | Kommentare deaktiviert für PM: Keinesfalls ein Zufall: Rechte Hetzgesänge in der Kneipe „Vater & Sohn“

Spaziergang gegen Videoüberwachung und unserer Redebeitrag

Wir haben uns letzten Samstag, 29. Februar, am Spaziergang gegen Videoüberwachung in der Münsterstraße beteiligt. Unser Fokus lag dabei auf weiteren staatlichen Überwachungsmaßnahmen, die zuletzt auch die einschlägig bekannten Straßenzüge in Dorstfeld betreffen, die viele Nazis der Partei Die Rechte bewohnen. Doch warum die augenscheinliche Repression gegen Nazis kein Grund zum Feiern ist, haben wir in unserem Redebeitrag deutlich gemacht:

Wir sind 2018 auf diese Straße gegangen, um gegen das neue Polizeigesetz in NRW zu protestieren und jetzt zeigt sich Stück für Stück, wogegen wir da demonstriert haben: Was vor einiger Zeit noch undenkbar war, wird mit dem neuen Gesetz schnell umsetzbar: Die Ausweitung der Kameraüberwachung.

Einige freuen sich und feiern die Maßnahme zur Überwachung des Nazi-Hotspots in der Emscherstraße, da der Rechtsstaat vermeintlich eine harte Hand gegen Nazis zeigen würde. Und ja, auch wir machen uns stark für ein „Gegen Nazis auf allen Ebenen“ und kommen nicht um ein Schmunzeln herum, wenn Nazis von Cops kassieren. Aber trotzdem strahlen wir nicht vor Freude bei der Ankündigung der Kameraüberwachung der Emscherstraße – und dazu haben wir mehrere Gründe:

1. ist es erschreckend, wie die Polizei die leere Worthülse „Angstraum“ aufgreift, um eine Kameraüberwachung zu legitimieren. Auch wenn sich bestimmt bei vielen ein Unwohlsein einstellt, wenn sie daran denken, durch die Emscherstraße zu laufen, stellt sich doch die Frage: Was genau ist – im juristischen Sinne – ein Angstraum? Denn, auch wenn die Emscherstraße eine Ort voller gefährlicher Menschen ist, ist dort eine recht geringe Kriminialitätsrate. Und bei allem Hass gegen Nazis: Eine solche massive Maßnahme muss juristisch legitmiert sein, statt auf fadenscheinige Begriffe zurückzugreifen, um nicht als Präzedenzfall für willkürliche Maßnahmen zu gelten – Wir denken einmal kurz an die Hufeisen– oder Extremismus-Theorie, nach der rechts und links gleichgesetzt werden und die sich in viel zu viele Köpfe eingebrannt hat. Maßnahmen, die gegen rechts durchgeführt werden, finden so auch oft bei anderen Gruppen Anwendung. So z. B die Ausreisesperre, die die Nazis am letzten Wochenende traf – Fußballfans können ein Lied davon singen und auch Linken wurde bereits die Anreise zu Protesten verwehrt.

2. geht von den Menschen in der Emscher- und den umliegenden Straßen eine große Gefahr aus, was wir an dieser Stelle betonen wollen. Doch dass ausgerechnet hier eine Kameraüberwachung geplant wird, zeigt auch die Wirkung der jahrelangen Stilisierung des „Dorstfelder Nazikiezes“ durch die Medien und auch die Nazis selbst. Nazis leben nicht nur in den wenigen Straßenzügen und ihre Aktivitäten begrenzen sich nicht darauf. Mit Kameraüberwachung in der Emscherstraße wohnen sowohl die Jungkader seelenruhig in der Siepenmühle und der Combat18-Nazi Marko Gottschalk kann unbeobachtet in Brechten ein und ausgehen. Vielleicht macht man es den Nazis etwas ungemütlicher, geheime Treffen in der Emscherstraße stattfinden zu lassen. Aufhören wird die internationale Vernetzung dadurch aber nicht. Hier zeigt sich also mal wieder das höchstens halbherzige und eher auf Symbolik ausgelegte Vorgehen der Polizei im Kampf gegen Neonazis.

3. Und das ist ein zentraler Punkt, den wir nicht müde werden zu betonen: Im Kampf gegen Nazis gibt es kein Vertrauen auf Staat und Polizei.

Nicht nur, dass es auch dort Nazis gibt, wie zuletzt bei der Polizei in der Nachbarstadt Hamm bekannt wurde, sondern auch, weil staatliche Behörden die Gefahr durch Rechte immer wieder relativieren. Ein Beispiel: Der NSU und der Staat. Vor 2006 hatte der Dortmunder Staatsschutz zahlreiche Kenntnisse über eine Radikalisierung und Bewaffnung der Nazi Szene. Was hat der Staat getan? Nichts. 2006 wird Mehmet Kubaşık ermordet und eine Zeugin vermutet als verdächtige Personen Nazis. Was hat der Staat getan? Er hat die Spur ignoriert und weiter in rassistischer Manier versucht die Täter*innen im persönlichen Umfeld des Opfers zu finden.

Im Kampf gegen Rechts hilft nur eins: Ein konsequenter Antifaschismus und den muss man nunmal selber machen. Und zwar auf allen Ebenen: Jegliche Zusammenarbeit mit der AfD und Parteien, die weiter rechts stehen, gilt es abzulehnen. Wir müssen auf Missstände aufmerksam machen und dagegen protestieren. Der Protest gegen den Thor-Steinar-Laden ist nur ein Beispiel dafür, wie viel solcher Protest bewirken kann. Bleiben wir solidarisch gegen Nazis und skeptisch gegenüber den Heilsversprechen des Überwachungsapparates.  

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Spaziergang gegen Videoüberwachung und unserer Redebeitrag

Hanau – drei Veranstaltungen an den drei Tagen danach

Nach dem grässlichen Terroranschlag in Hanau am 19. Februar 2020, fanden am Tag darauf eine Vielzahl von Demonstrationen, Spontis und Kundgebungen statt, darunter auch eine in Dortmund, an der über 600 Menschen teilnahmen.
Am Freitag, 21. Februar fand ebenfalls in Dortmund eine Kundgebung von DIDF und Kein Schlussstrich statt. 
In Hanau fanden sich am Samstag, 22. Februar, schließlich über 6.000 Menschen ein, um lautstark Wut, Trauer und Widerstand auf die Straße zu tragen.
Wir haben euch eine kleine Galerie der Veranstaltungen zusammengestellt.

Dortmund, 20. Februar 

Hanau, 21. Februar

 

 

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Hanau – drei Veranstaltungen an den drei Tagen danach

Redebeitrag auf der Demonstration gegen rechten Terror am 20. Februar

Foto: Leopold Achilles

Am 20. Februar, einen Tag nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau, gingen in Dortmund spontan mindestens 600 Menschen auf die Straße. Wir haben auf der Demonstration folgenden Redebeitrag gehalten:

 

 

 

„Wir laufen heute durch die Dortmunder Innenstadt und Nordstadt, um unsere Trauer und Wut über den gestrigen Terroranschlag in Hanau auf die Gäste zweier Shishabars auf die Straße zu tragen. Der Täter hat in den beiden Shishabars insgesamt neun Menschen getötet und anschließend ebenfalls sich und seine Mutter erschossen. Zweifellos war das Motiv ein rassistisches und extrem rechtes: Die Gäste der Shishabars mussten sterben, weil sie in den Augen des Täters ein Fremdkörper in Deutschland waren. Sie mussten sterben, weil der Täter überzeugt war, dass es nicht mehr möglich sei, immigrierte Menschen in Deutschland zur Ausreise zu bewegen, weswegen sie vernichtet werden müssten. Diesen abscheulichen und rassistischen Hass artikulierte er in einem Manifest, das er vor der Tat im Internet veröffentlichte.

Doch obwohl genau dieser einzelne, widerliche Faschist für den Tod zahlreicher Menschen verantwortlich ist, liegt unser Augenmerk nicht auf dem Täter alleine. Der Anschlag reiht sich ein in weitere rechtsterroristische Anschläge in der Bundesrepublik. In der vergangenen Woche gab es zwei Anschläge in und bei Bremen: Ein Restaurant wurde aus rassistischen Motiven mit Hakenkreuzen besprüht und anschließend in Brand gesteckt. In einem selbstverwalteten Jugendzentrum wurde während eines Konzerts Feuer gelegt. 
Im vergangenen Oktober verübte ein Rassist und Antisemit zwei Anschläge auf eine Synagoge und ein Restaurant in Halle, bei denen zwei Menschen sterben mussten. 
Im Sommer letzten Jahres wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf seiner Terrasse von einem Rechtsterroristen erschossen. 
Einer der Höhepunkte des deutschen Rechtsterrors fand auch in Dortmund statt: Der Mord an Mehmet Kubaşık, eines von zehn Mordopfern des Nationalsozialistischen Untergrunds.

Alle Täter agierten in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Hass auf migrantische Communities und nicht-weiße Menschen prächtig gedeihen kann und mit wenig Widerstand seitens des Staates zu rechnen braucht. In vielen Fällen sind die Strafverfolgungsbehörden, der Verfassungsschutz, Polizei und Militär selbst in rechte Umtriebe verwickelt, wie nicht zuletzt im NSU-Komplex oder dem rechten Tarnverein Uniter deutlich wurde, dessen Mitglieder unter anderem Angehörige der Polizei und Bundeswehr sind.

Dies sind Spitzen eines Eisbergs, der in seiner Gänze den Rassismus der Mehrheitsgesellschaft abbildet. Dieser endet in rechtem Terror und rechten Staatsvorstellungen, beginnt jedoch in der Zivilgesellschaft, in der rassistische Erzählungen hofiert werden. In vielen Medien werden Polizeimaßnahmen in migrantischen Stadtteilen unkritisch begleitet oder gefeiert – darunter auch unzählige Razzien gegen Shishabars. Von diesen wahnwitzigen, rassistischen, mitunter brutalen Razzien gab es auch unzählige in der Dortmunder Nordstadt. Bei diesen Razzien werden dann kleine Mengen unversteuerten Tabaks sichergestellt und stolz der Presse präsentiert. Wir stellen an dieser Stelle auch die soziale Frage: Warum bleibt der mediale Aufschrei aus, wenn Produktionsmittel-, und Kapitalbesitzende in Millionenhöhe Steuern hinterziehen und sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden? Stattdessen werden Kleingastronom*innen aus rassistischen Motiven mit sämtlichen Mitteln des staatlichen Repressionsarsenals überzogen. 

Wer parallel dazu von staatlicher Repression und gesellschaftlicher Ächtung verschont bleibt, ist so erstaunlich wie unfassbar: hunderte Rechtsterrorist*innen in der Bundesrepublik, AfD-Politiker*innen wie Höcke, der noch am vergangenen Samstag zu einem Umsturz aufrief und all diejenigen, die an einer Gesellschaft arbeiten, die Ausgrenzung, Homogenisierung und schließlich Vernichtung mit sich bringt.

Obwohl rechter Terror in Deutschland weiterhin erwartbar bleibt, sind wir traurig, wütend und fassungslos. Über den Anschlag in Hanau, aber auch über eine Öffentlichkeit, die rechten Terror, Rassismus, Antisemitismus und einen sich in Deutschland formierenden faschistischen Block immer noch nicht ernst genug nimmt, ihn verharmlost, relativiert und ihm somit Vorschub gewährt. 

Dies müssen wir gemeinsam verhindern! Gegen die rassistische und autoritäre Formierung und für die befreite Gesellschaft der Vielen!“

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Redebeitrag auf der Demonstration gegen rechten Terror am 20. Februar

04.02.2020 Grenzen auf! Leben Retten!

Griechisches Militär und Frontex schießen an der türkischen Grenze mit Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfern auf Schutzsuchende, vor Lesbos ist in Anwesenheit der griechischen Küstenwache ein kleines Kind ertrunken. Während an der Grenze Familien, Kinder und Jugendliche militärisch bekämpft werden, stehen in Deutschland und anderen Ländern Aufnahmeeinrichtungen leer, hunderte Städte sind aufnahmebereit.

Lasst uns gemeinsam und lautstark dafür eintreten, dass die Menschen in griechischen Lagern und an der griechisch-türkischen Grenze menschenwürdig behandelt und evakuiert werden. Wir sagen: Wir können und wollen diese Menschen willkommen heißen und sie aufnehmen. Wir geben den Menschen eine Zukunft und lassen uns nicht von den faschistischen Salvinis, Orbans und Erdogans dieser Welt erpressen!

Menschenrechte für alle! Gegen die Festung Europa, Erdogan und die Krise der Menschlichkeit!
Das Grundrecht auf Asyl verteidigen! #WirHabenPlatz

Kommt zur Kundgebung in Dortmund: Mittwoch, 04.02.2020, Reinoldikirche

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für 04.02.2020 Grenzen auf! Leben Retten!

Nichts und Niemand ist vergessen – Demo am 28.03.2020

Für den 28.03.2020 rufen Antifaschist*innen aus Dortmund zu einer Demonstration in Erinnerung an Thomas Schulz auf. In unserem gemeinsamen Aufruf heißt es:

Am 28. März 2020 jährt sich der Tod von Thomas »Schmuddel« Schulz zum 15. Mal. Der Punk wurde am Ostermontag 2005 durch den Neonazi Sven Kahlin in der U-Bahn-Haltestelle Kampstraße erstochen. Der Mord kann als die Folge einer damals eskalierenden Gewalt durch Neonazis in Dortmund betrachtet werden, die auf diese Weise versuchten, ihre Machtphantasien in die Tat umzusetzen.

15 Jahre später: Die Täter*innen von damals sind nun als Parteifunktionäre in der Partei »Die Rechte« aktiv. Noch immer versuchen Neonazis – wenn auch mit anderen Mitteln – in Dortmund politischen Einfluss zu gewinnen. Doch neben parteipolitischen Aktivitäten, neonazistischen Demonstrationen und Infoständen ereignen sich in Dortmund nach wie vor rechte Gewalttaten und Einschüchterungen.

Mehr Infos und den ganzen Aufruf findet ihr unter dortmund.noblogs.org, der neuen Adresse des gemeinsamen Kampagnenblogs dortmunder Antifagruppen.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Nichts und Niemand ist vergessen – Demo am 28.03.2020

Evakuieren statt Ignorieren

Am 04.02. ging die Polizei massiv gegen Proteste von Geflüchteten in der Stadt Mitilini auf der griechischen Insel Lesvos vor, die auf ihre Situation im Camp Moria aufmerksam machen wollten. 
Proteste konnten zum Teil dennoch stattfinden. Nach der Demonstration reagierten Dorfbewohner*innen in Moria darauf mit rassistischen Protesten für  „Selbstschutz“. Zukünftig soll noch mehr Polizei auf Lesvos eintreffen, um mögliche Initiator*innen der Demonstration ausfindig zu machen, und die Situation unter Kontrolle zu halten – also um weitere Proteste zu verhindern. Seit Juli 2019 und der Wahl der neuen Regierung der Partei Nea Dimokratiaeskaliert die bereits problematische Situation immer weiter. Im Sommer und Herbst stiegen die Zahlen der auf den Inseln ankommenden Geflüchteten immer weiter, während die Weiterreise auf das Festland immer schwieriger wird.  Die Zahl der auf den Inseln festsitzenden Geflüchteten hat sich über den Sommer fast verdoppelt, während der Hass gegen die Geflüchteten auf den Inseln in der Bevölkerung immer weiter geschürt wird. Rassistische Proteste nehmen zu, mit Slogans wie „Wir wollen unsere Inseln zurück“ wird Stimmung gegen Geflüchtete gemacht.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für Evakuieren statt Ignorieren

08.02. Seebrücken-Aufruf: #WirHabenPlatz: Aufnahme aus Griechenland jetzt!

Seebrücken-Transparent mit den Namen vom im Mittelmeer Ertrunkenen (Seebrücke-Demo 2019)

AM 8.2. IST UNSERER GROSSER GRIECHENLAND-AKTIONSTAG 
#WIRHABENPLATZ.
GEMEINSAM FORDERN WIR DIE SOFORTIGE EVAKUIERUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN AUS GRIECHISCHEN LAGERN!

Deutsche Städte wollen bis zu 250 Kinder holen – Berlin blockiert. Das nehmen wir nicht hin!!
Seebrücke Dortmund beteiligt sich mit einer Tour zu den Abgeordneten von Land- und Bundestag, die in Dortmund ihre Büros haben.

14:00 bis 16:00 Uhr
Die Tourpunkte:
Gutenbergstraße 68, 44139 Dortmund
Königswall 8, 44137 Dortmund
Schwanenstraße 30, 44135 Dortmund
Brüderweg 10-12, 44135 Dortmund
Reinoldikirche, Seite zum Westenhellweg

Wir werden dort symbolisch eine Nachricht der Seebrücke hinterlassen. Einen Appell an die Verantwortlichen
Dortmund möchte Jugendliche und Kinder aus den griechischen Camps aufnehmen. Der Bundestag lehnt nach halbstündiger Aussprache mit den Stimmen der CDU Und SPD gegen die Stimmen der Linksfraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Aufnahme ab. – das können wir nicht hinnehmen.

Anja Sportelli von der SEEBRÜCKE Dortmund sagt: „Während Bundesinnenministerium und Bundesregierung auf eine europäische Lösung warten, signalisierten zahlreiche Bundesländer, Städte und Kommunen in den vergangenen Wochen Aufnahmebereitschaft. Die humanitäre Notlage auf den griechischen Inseln könnte somit sofort beendet werden.“
Wenn die AfD, CDU/CSU, FDP und SPD einen entsprechenden Antrag mit dem Verweis, zuerst eine europäische Lösung finden zu wollen, im Bundestag ablehnen, ignorieren sie die unmenschliche Situation auf den griechischen Inseln, und schieben die Verantwortung an die EU ab, welche sich in der Frage der Migrationspolitik aber schon seit Jahren auf keine gemeinsame Politik einigen kann.

„Das Drama auf den griechischen Inseln spielt sich jetzt ab, es bleibt keine Zeit auf langwierige europäische Lösungen zu warten. Die Bundesregierung muss jetzt sofort mit einer Aufnahme ihrer humanitären Pflicht nachkommen.“ sagt Paul Gerhard Stamm.

„Mit dem Aktionstag zeigen wir, dass die Zivilgesellschaft nicht länger bereit ist der humanitären Notlage auf den griechischen Inseln einfach nur zuzuschauen. Für die Bundesregierung und das Bundesinnenministerium ist es jetzt an der Zeit zu handeln anstatt zu verhandeln!“ führt Joachim Spehl von der SEEBRÜCKE DORTMUND die Forderungen aus.

Die SEEBRÜCKE ist eine breite zivilgesellschaftliche Bewegung, die sich für die zivile Seenotrettung, für sichere Fluchtwege und für die dauerhafte Aufnahme von geflüchteten Menschen in Deutschland einsetzt.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für 08.02. Seebrücken-Aufruf: #WirHabenPlatz: Aufnahme aus Griechenland jetzt!

28.03.2020 Kein Vergeben, kein Vergessen – 15. Jahrestag

Am 28.03.2005 erstach der Neonazi Sven Kahlin den Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz in der U-Bahn-Station Kampstraße, nachdem dieser ihn auf die rechten Sprüche ansprach.

Für uns heißt es: Kein Vergeben – Kein Vergessen. Haltet euch den 28.03.2020 frei und achtet auf weitere Ankündigungen.

Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für 28.03.2020 Kein Vergeben, kein Vergessen – 15. Jahrestag

75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Heute vor 75 Jahren befreite die 322. Division der Roten Armee die letzten zurückgelassenen Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz – Birkenau. Zurückgelassen wurden nur wenige tausend Menschen, die zu schwach waren, um mit den restlichen 60.000 Gefangenen in Todesmärschen Richtung Westen geschickt zu werden. Auch nach der Befreiung starben viele Menschen an den Folgen der unbeschreiblichen Bedingungen des Lagers. Durch die Todesmärsche und die Zerstörung verschiedener Lagerteile versuchten die Täter*innen ihre grausamen Taten zu vertuschen. Zwischen 1940 und 1945 wurden 1,1 Millionen Jüd*innen, tausende Pol*innen, Sinti (140.000), Roma (20.000) und sowjetische Kriegsgefangene (10.000) nach Auschwitz deportiert. Von den 400.000 registrierten Häftlingen starben über die Hälfte der Menschen an den Lagerbedingungen, Hunger, Krankheit, Überarbeitung, Hinrichtung und Menschenversuchen. Etwa 900.000 Menschen wurden direkt nach der Ankunft in Birkenau unregistriert ermordet. In dem Konzentrationslager starben insgesamt 1.5 Millionen Menschen. 
Von einem juristischen Aufarbeitungsversuch der Shoah kann in Deutschland kaum gesprochen werden. Von über 100.000 Beschuldigten wurden nur knapp 6.500 auch verurteilt. Dazu kommt die personelle Kontinuität von Politiker*innen im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik, prominentestes Beispiel ist wohl Hans Globke, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramtes, der auch Mitverfasser und Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, die die juristische Umsetzung der antisemitischen Denkweise des Nationalsozialismus waren, war.  Auch der Mythos der nichtwissenden deutschen Bevölkerung, die angeblich selbst Opfer der Nationalsozialist*innen und nicht Täter*in und Mitwisser*in gewesen sein soll, zeigt, wie wenig Bereitschaft es für eine Aufarbeitung im Land der Täter*innen gibt. So häufig, wie man hört, dass die Vorfahren Widerstandskämpfer*innen gewesen oder zumindest nicht „mitgemacht“ , hätten die Gräueltaten verhindert werden müssen. (Dass es zudem eine Fernsehserie braucht, um der deutschen Bevölkerung das Leid der Jüd*innen näher zu bringen, diese aber gleichzeitig  zu einer neuen Welle des Antisemitismus führt, zeigt einmal mehr, wie schlecht auch die gesellschaftliche Entnazifizierung in der Bundesrepublik funktioniert hat.)
Heute fordern Politiker*innen rechter Parteien eine erinnerungspolitische Kehrtwende um 180 Grad (Höcke) und feiern die „Heldentaten“ ihrer Eltern und Großeltern in zwei Weltkriegen (Gauland) und damit implizit auch die Vernichtung des großteils jüdischen Lebens in Europa. Doch nicht nur extrem rechte Parteien plädieren für das Vergessen. Diese gefährliche Forderung zieht sich durch die gesamte Bevölkerung – 37 % der deutschen Bevölkerung fordern einen Schlussstrich unter Aufarbeitung und Gedenken. Und das in einer Zeit, in der antisemitische Straf- und Gewalttaten wieder zunehmen – nicht, dass diese jemals ganz weggewesen wären. Heute werden die meisten Synagogen rund um die Uhr von Polizist*innen bewacht. Erst am 9. Oktober 2019 versuchte ein bewaffneter Mann in eine Synagoge einzudringen, um die anwesenden Jüd*innen zu töten und auch in Dortmund muss man immer wieder von antisemitischen Übergriffen hören. Antisemitismus ist, trotz ständiger Bekundung, man habe aus der Vergangenheit gelernt, allgegenwärtig in unserer Gesellschaft. Wir sind nicht verantwortlich, für das was geschah. Aber dass es nicht wieder geschicht, dafür schon (Angelehnt an ein Zitat von Max Mannheimer). Wir stehen solidarisch an der Seite der Betroffenen von Diskriminierung und der daraus resultierenden Gewalt. 
Wir gedenken der Opfer der Shoah, stellen uns gegen jeden Antisemitismus und Antiziganismus mit der Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei.
Veröffentlicht unter General | Kommentare deaktiviert für 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz