Unser Feminismus bleibt antifaschistisch!

Im Folgenden veröffentlichen wir unseren Redebeitrag, den wir auf der Demo vom antifaschistischen Bündnis BlockaDo am 23.03.2019 in Dortmund-Westerfilde gehalten haben.

Contentwarning: Im Text werden antifeministische Postionen von Rechten, sowie sexualisierte Gewalt thematisiert. Es werden keine detallierten Beschreibungen vorgenommen.

In Dortmund versuchen die Nazis, sich vor allem im westlichen Teil der Stadt breitzumachen. Dazu gehören nicht nur der weitbekannte Stadtteil Dorstfeld oder der Stadtteil Marten, der vor kurzem erst aufgrund einer rechten Demonstration in den Medien heiß thematisiert wurde, sondern eben auch Westerfilde. Die hier aktiven Nazis sind zum einen die Nazis der „Aktionsgruppe Dortmund West“. Dabei handelt es sich um eine Gruppe junger Nazis, die in Westerfilde das „Ghetto des Dortmunder Westens“ sehen. Zum anderen sind auch die Nazis der Partei „Die Rechte“, die regelmäßig Infostände auf dem Westerfilder Marktplatz durchführen, hier aktiv. Erst gestern veranstalteten diese beiden Gruppen in Kooperation miteinander eine Kundgebung, die sich gegen die heutige Demonstration, aber auch gegen vermeintliche „Masseneinwanderung“ und eine angebliche „Ghettoisierung“ Westerfildes richtete.

Ein weiterer Vorwand, um in Westerfilde zu stehen, war eine versuchte Vergewaltigung in dieser Gegend. Unter dem Vorwand, Frauen „beschützen“ zu wollen, verteilten sie daraufhin Pfefferspray an Passantinnen. Doch wenn Nazis sich für die Rechte von Frauen* einsetzen, hat das wenig mit echtem Interesse an den Belangen der Frauen* zu tun.

Befasst man sich näher mit der Ideologie der „Aktionsgruppe Dortmund West“ und der Partei „Die Rechte“, wird schnell deutlich, dass das Weltbild der Nazis ein Angriff auf das Leben vieler Menschen hier in Westerfilde darstellt und keine Unterstützung beinhaltet. Dieser Angriff richtet sich hierbei gegen alle, die in den Augen der Nazis von der Norm des „gesunden Deutschen“ abweichen. Dazu gehören einerseits Geflüchtete und von Rassismus betroffene Menschen, andererseits auch Trans*, Inter*, homosexuelle Menschen und viele mehr. Kurzum alle Menschen, die nicht in eine Vorstellung einer „arischen“ Familienidylle passen. Darüber hinaus sind ebenfalls Frauen* der Unterdrückung durch Neonazis und Rechte ausgesetzt. So gebe es eine klare Hierarchie zwischen den zwei herbeiphantasierten Geschlechtern. Der Mann stehe über der Frau. Die Frau gehöre dabei an den Herd, solle den Mann bei der Arbeit den Rücken stärken und ansonsten solle sie eine Gebärmaschine sein, die den deutschen Volkskörper erhält.

Gleichzeitig versuchen eben jene Rechte, vermeintlich feministische Belange aufzugreifen, um ihre rassistische Hetze zu vermarkten. Sie wollen die angeblich schwächeren weißen Frauen* schützen und behaupten, dass Täter meist People of Color seien. Durch das Fortschreiten des Rechtsrucks finden sich solche rassistischen, schlichtweg falschen Bilder zunehmend im öffentlichen Diskurs wieder. So wird spätestens seit 2015 sexualisierte Gewalt als etwas Importiertes, vom angeblich Fremden Ausgehendes, medial skandalisiert. Männer, die nach Deutschland kommen, sollen lernen, wie man sich hier gegenüber Frauen* verhält. Sei es Alice Schwarzer, der rassistische Mob nach Silvester 2015 oder die Dortmunder Nazis hier in Westerfilde – als Feminismus verkleideter Rassismus ist seit längerem ein stetiges Problem. Als wäre Deutschland ein Hort der Gleichberechtigung, wird so getan, als würden die angeblichen Fremden nachts draußen auf deutsche, weiße Frauen* warten. Es gibt solche Fälle und sie sind schrecklich, doch über 2/3 der Vergewaltigungen finden in den eigenen vier Wänden statt und 85% der Betroffenen kennen die Täter*innen bereits vorher. Es sind die Partner*innen, Nachbar*innen, Verwandte… Dabei sind Hautfarbe, Herkunft und Nationalität irrelevant. Es handelt sich nicht um ein importiertes Problem, sondern um Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, das Patriarchat und eine Rape-Culture.

Die Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt wird zunehmend rassistisch. Das Interesse an Übergriffen wächst, sobald der Täter nicht-deutscher Herkunft ist oder er als nicht-weiß gilt. Diese rassistischen Stereotype verbinden sich mit einem Bild des starken und kriegerischen Ideals des deutschen Mannes. Gewalt gegen alles, was als Fremd imaginiert wird, und eine bevormundend-autoritäre Beschützerhaltung gegenüber Frauen* sind die Konsequenzen.

Dieses Vorgehen schützt niemanden! Es ist nur der traurige Beweis, wie geduldet Rassismus in Deutschland ist. Das, was die Neonazis und rechte Hetzer*innen an den Tag legen, ist der Versuch, Frauen* für ihre Zwecke zu benutzen. Das ist kein Feminismus und vor allem ist das nicht unser Feminismus! Im Gegenteil: Vom Nazi-Stand auf dem Marktplatz in Westerfilde, über die AfD in den Parlamenten bis hin zu Menschen, die meinen, die Frau* gehöre nur zu Kind und Herd – Antifeminismus ist ein wichtiges Bindeglied zwischen klassischen Nazis, Akteur*innen des Rechtsrucks und der konservativ-liberalen Gesellschaft. Auch deswegen oder gerade dagegen sind wir heute hier.

Dass diese Instrumentalisierung von Frauen* Hand in Hand geht mit einer Abwertung zugeschriebener Weiblichkeit, zeigt sich auch in vielen Äußerungen der Dortmunder Nazi-Aktivist*innen. Wenn diese nicht gerade begangene oder versuchte Vergewaltigungen von Männern of Colour oder Geflüchteten skandalisieren, Pfefferspray in Westerfilde verteilen oder über den vermeintlichen Tod der deutschen Kleinfamilien trauern, hetzen sie ziemlich ungehemmt gegen die, die sie vormals angeblich beschützen wollten. So bezeichnete der Dortmunder Neonazi Matthias Drewer vor Kurzem das Frausein* als Anzeichen einer Behinderung. Sein großer Bruder Christoph Drewer wünschte 2015 Frauen*, die Geflüchtete unterstützen, Vergewaltigungen und der Neonazi Michael Brück, der hier gestern bei der Nazi-Kundgebung eine Rede hielt, freute sich Ende 2018 über die männliche Dominanz in der Partei „Die Rechte“.

Man sieht, dass Neonazis und Rechte sich nur für Frauen* einsetzen, solange ihre Belange sich für rassistische und neonazistische Hetze ausschlachten lassen. Ansonsten sind ihnen Frauen* nicht nur scheißegal, sie sind sogar noch frauen*feindlich. Wir brauchen also nicht auf eine Verbesserung der Situation für Frauen* von rechts zu hoffen. Im Gegenteil: Wir müssen diese Antifeminist*innen bekämpfen. Sie stellen eine Gefahr für alle Frauen* dar. Besonders für Frauen* of Colour, Frauen* mit Behinderung, Frauen* in prekären Lebensverhältnissen und allen anderen Frauen*, die neben Sexismus noch von anderen Diskriminierungsformen betroffen sind. Ob hier in Westerfilde, in einem anderen Dortmunder Stadtteil, in Deutschland oder sonstwo – wir brauchen und wollen keinen Schutz durch Rassist*innen, Neonazis und pseudo-feministische Männerbünde. Was wir brauchen, sind solidarische Netzwerke, um gemeinsam mit FrauenLesbenTransInter* und nichtbinären Menschen für eine gesellschaftliche Veränderung zu kämpfen. Wir brauchen Empowerment, Selbstverteidigung und eigene Räume. Wir wollen niemanden, der stellvertretend für uns, unsere Rechte und unsere Interessen kämpft, sondern solidarische Unterstützung. Wir wollen selber entscheiden, wie und wofür wir kämpfen.

Im Feminismus ist kein Platz für rassistische, antisemitische, ableistische und sonstige Diskriminierung! Feminismus bleibt antifaschistisch!
Patriarchale und antifeministische Strukturen zerschlagen!
Antifa und Feminismus heißen Angriff – auch hier in Westerfilde!
Autonome Antifa 170

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