Jahresrückblick 2019

Da es inzwischen zum guten Ton der digitalen Kulturindustrie gehört, am Jahresende einen kleinen Überblick zu geben, was man in dem Jahr eigentlich geschafft hat und das hervorzuheben, was man ohnehin schon öffentlich findet: Ja, auch wir waren im Jahr 2019 wieder fleißig.

Das Jahr 2019 startete für uns noch sehr entspannt. Im Januar haben wir uns aus dem Ruhrgebiet getraut und uns das einzige Mal in diesem Jahr nach Berlin gewagt. Für die Konferenz unserer Lieblingskampagne „Nationalismus ist keine Alternative“ (NIKA) nahmen wir den Weg gerne auf uns. 

Im Februar hat die AfD versucht einen Neujahrsempfang zu veranstalten. Wir sind nach Münster gefahren, um unsere Genoss*innen von der Antifaschistischen Linken Münster, Eklat und anderen Zusammenhängen dabei zu unterstützen, den Protofaschist*innen den Tag zu versauen. Zusammen mit weiteren, mehreren tausenden Gegendemonstrant*innen konnten wir dazu beitragen, die Party der alternativen Kartoffeln wenigstens ein bisschen zu crashen. Auf der Straße konnten oder eher mussten wir zum ersten Mal das BFE-NRW sehen.
Außerdem steckten wir bereits in den Vorbereitungen für die nächsten Monate…

Am 08. März, zum Frauenkampftag, veranstaltete das neugegründete Feministische Kollektiv Dortmund eine Kundgebung an den Katharinentreppen. Die Frauen aus unserer Gruppe hielten dort eine Rede, in der klar gemacht wurde: „Unser Feminismus bleibt antifaschistisch“ . Anschließend fuhren wir gemeinsam zur feministischen Demo nach Bochum.
Zwei Wochen später zogen wir nach längerer Mobilisierungszeit mit dem Bündnis „BlockaDO“ mit einer Demo durch den Dortmunder Vorort Westerfilde. Die Neonazis versuchen dort einen aktiven Raumkampf zu betreiben, während sie gleichzeitig gegen die Bewohner*innen des Viertels hetzen. Was wir uns dazu so gedacht haben, könnt ihr in unserem Aufruf nachlesen.

Im April nahmen wir an der Demonstration „Tag der Solidarität“ anlässlich des 13. Jahrestags der Ermordung Mehmet Kubaşıks durch den sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) teil. Wie in den Vorjahren zog die Demonstration vom Tatort, dem früheren Kiosk der Familie Kubaşık, zum Mahnmal für die Opfer des NSU.
Außerdem riefen wir am 11.04. zur Mahnwache am Amtsgericht und zur Beobachtung des Prozesses gegen Steven Feldmann. An einem vorherigen Prozesstag gegen den Neonazi kam es zu verbalen Auseinandersetzungen und Gerangel. Mehr dazu findet ihr in einer Pressemitteilung, die wir im Vorfeld des Prozesstages veröffentlicht haben .

Im Mai hatten wir wegen der sogenannten „Frühjahrsoffensive“ von „Die Rechte“ zum Europawahlkampf etwas mehr zu tun. Nachdem wir am 01. Mai die Genoss*innen in Duisburg bei ihren Protesten gegen den Aufmarsch von „Die Rechte“ unterstützt hatten, sind wir mit 100 Leuten am 03.05. erneut gegen die Nazis auf die Straße – diesmal in Dortmund-Dorstfeld. Eine Hausdurchsuchung bei ihrem Führungskader Michael Brück hatten die Nazis zum Anlass genommen, zu einer Demonstration aufzurufen. 
Am 05.05. veröffentlichten wir den ersten Text unserer Reihe zum Europawahlprogramm von „Die Rechte“. Die Neonazis hatten für den 25.05. eine „Großdemonstration“ angekündigt. Auch wenn diese mit 184 Teilnehmer*innen nicht wirklich groß ausfiel, waren wir gemeinsam mit BlockaDO mit mehreren hunderten Antifaschist*innen zum Gegenprotest in Hörde. Unsere Genoss*innen von RiseUp aus Duisburg schafften eine kleine Sitzblockade auf der Route. Am Abend zuvor gab es eine antifaschistische Vorabenddemo durch das Kreuzviertel und die Innenstadt.

Im Juni fand in Dortmund der Kirchentag statt. Dass sie explizit nicht eingeladen war, nahm die AfD zum Anlass, ihren Opferzirkus in Dortmund aufzuführen. Mit ihren antifeministischen und homofeindlichen Inhalten versuchte die Unterorganisation „ChrAfD“, an reaktionäre Teile der Protestant*innen anzudocken. Einige Antifaschist*innen wollten dies nicht unkommentiert lassen und schirmten die Stand kurzerhand mit einem passenden Transparent ab.
Als im gleichen Monat öffentlich wurde, dass für den Mord am Kasseler Regierunsgpräsident Lübcke der langjährig bekannte und einschlägig vorbestrafte Neonazi Stefan Ernst verantwortlich war, berichteten wir in zwei Pressemitteilungen über die Verbindungen von Ernst und dem Combat18-Netzwerk nach Dortmund und den lokalen C18-Kader Robin Schmiemann, der sich in einem Video mit einer Erklärung präsentierte.

Am 06.07. gab es wie in vielen anderen Städten eine Demo des Seebrücke-Bündnisses in Dortmund, der sich rund 150 Personen anschlossen. Am 11. veranstaltete das Bündnis „Kein Schlussstrich Dortmund“ eine Kundgebung zum 1. Jahrestag des NSU-Urteils. In einer Ausstellung wurde insbesondere die Fokussierung der Ermittlungen auf die Opfer kritisiert, denen vor der Selbstenttarnung des NSU von der Polizei eine Tatbeteiligung unterstellt wurde. Zwei Tage später waren wir auf einer Podiumsdiskussion zu Strategien gegen den Rechtsruck in Ost & West zusammen mit NIKA, der URA Dresden und einer Person aus Eisenach vertreten. Veranstaltet wurde diese von Eklat Münster.

Im August hatten wir einiges zu tun: Anfang August organisierten wir das Kultur- und Politik-Festival „Sommer, Sonne, Antifa!“ mit, welches auch im kommenden Jahr wieder stattfinden wird. (Tickets dafür gibts im Nordpol und im Black Pigeon.) Neben Anreisen zur Haekelclub-Demo nach Hamm  und zur Demonstration gegen Abschiebehaft nach Paderborn, nahmen wir am 24.08. an der bundesweiten Unteilbar-Demo in Dresden teil, nachdem wir tagszuvor mit BlockaDO gegen die alljährliche Nazi-Kundgebung anlässlich des Verbots des NWDO protestiert hatten.

Im September begann eine anstrengende Zeit in der Nordstadt. Am 18.09. hielt die AfD einen sogenannten „Bürgerdialog“ im Dietrich-Keuning-Haus ab. Die Diskussion ging allerdings in lautstarkem Protest anwesender Nazigegner*innen unter. Zeitgleich begannen die Nazis mit Kundgebungen und Demonstrationen in dem Viertel. Nach einer Kundgebung und einer Demo, die für sie eher unangenehm verliefen, kündigten die Nazis an, dort bis Weihnachten 12 Montagsdemos abzuhalten. Die Polizei prügelte den Nazis bereitwillig den Weg frei. Doch nach vielen unterschiedlichen Protestformen inklusive zahlreicher Sitzblockaden gaben die Nazis bereits nach 5 Montagsdemos auf. Im Zuge dessen entstand ein Offenes Antifa-Treffen, das jeden zweiten Donnerstag des Monats ab 18 Uhr vor dem Antifa-Café im Nordpol stattfindet – auch am 09.01. wieder.

Am 09.10. zogen wir in einer Spontandemo gemeinsam mit weiteren Antifaschist*innen durch die Dortmunder Innenstadt, um unserer Wut über den rassistischen und antisemitischen Anschlag in Halle Ausdruck zu verleihen und uns mit Betroffenenen rechter Gewalt zu solidariseren.
Im Rahmen der Proteste in der Nordstadt gab es am 14.10. eine große Demonstration beginnend am Borsigplatz. Wir zogen mit ca. 800 Personen zum Hbf, wo die Demo sich mit einer weiteren Demonstration vom Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus zusammenschloss, um mit weit über 2000 Teilnehmenden ins Gerichtsviertel zu laufen. Dorthin hatten die Nazis ihre Kundgebung verlegt, nachdem zuvor der Nazischläger Matthias Drewer in Untersuchungshaft genommen worden war, weil er eines gewaltätigen Angriffs beschuldigt wird.

Nachdem Ende August ein „Thor Steinar“-Laden in der Innenstadt aufmachte, tätigte BlockaDO die Ansage, so lange jeden Montag Kundgebungen abzuhalten, bis der Laden dicht sei. Gesagt, getan: Auch während der Proteste gegen die Naziaufmärsche in der Nordstadt hielt BlockaDO den Druck aufrecht. Nachdem wir am 02.11. mit hunderten Antifaschist*innen durch die Dortmunder Innenstadt demonstrierten, wurde das Geschäft am 05.11. durch die Stadt geschlossen.
Bereits zuvor hatte der Laden handfeste Probleme. Bei einer überregional beachteten antifaschistischen Intervention war ein Großteil der Auslage und der Einrichtung mit Farbe unbrauchbar gemacht worden.
Am 29.11. beteiligten wir uns am Aktionstag von Fridays for Future mit einem Redebeitrag zum Zusammenhang von Klimagerechtigkeit und Antifaschismus.

Im Dezember nahmen wir an einer Kundgebung gegen den antisemitischen BDS teil. Die Junge GEW Dortmund hatten dazu aufgerufen, da der Dortmunder DGB es für notwendig hielt, die antisemitische Kampagne in einem Vortrag rechtfertigen zu lassen.
Am 18.12. bekamen wir die Möglichkeit, bei einer Veranstaltung mit der Iuventa10 im Vorfeld des Feine Sahne Fischfilets-Konzerts über unsere Arbeit zu berichten.

Natürlich gibt dieser Rückblick nicht alles wieder, was wir in diesem Jahr gemacht haben und natürlich leisten auch andere Gruppen und Initiativen wichtige Arbeit in Dortmund. Wir empfehlen euch insbesondere, auf die Arbeit der folgenden Gruppen ein Auge zu werfen.

Mean Streets Antifa Dortmund
Antifa Medienzentrum Dortmund
Dortmunder Antifa Bulletin
BlockaDO
Seebrücke Dortmund
Fridays for Future Dortmund
Feministisches Kollektiv Dortmund
Anarchistische Gruppe Dortmund

Die Autonome Antifa 170 wünscht einen guten Rutsch ins neue Jahr. Möge es uns erfolgreiche Kämpfe bescheren.

Alle zusammen gegen den Faschismus!

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